Dr. Anton von Gasteiger zu Rabenstein und Kobach | Villanders | Süd-Tirol CD Mut zur Treue kaufen
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Anderas Hofer Gedenkfeier 20.02.2011

Wie alljährlich fand am 20.2.2011 die Andreas Hofer Gedenkfeier statt, im Gedenken an die Opfer der Freiheitskämpfe und Weltkriege fand eine Kranzniederlegung beim Kriegerdenkmal statt und eine Ehrensalve wurde Abgefeuert. Gedenkredner war Sven Knoll.

Hier die Gedenkrede.

 

Hohe Geistlichkeit,

liebe Schützenkameraden und Marketenderinnen,

Tiroler Landsleute!

 

 

Am heutigen 20. Feber finden in ganz Tirol wieder Feierlichkeiten statt, um an den Tod von Andreas Hofer und den Freiheitskampf von 1809 zu erinnern.

Es ist dies eine der letzten großen Zeremonien, die noch in Nord-, Ost-, Süd-, und Welsch-Tirol gemeinsam begangen wird und somit an diesem Tag das derzeit geteilte Tirol, über alle Staats- und Sprachgrenzen hinweg, vereint.

 

Wenn wir heute hier stehen und an Andreas Hofer gedenken, so sollten wir uns aber nicht nur an das erinnern, was damals passiert ist, sondern auch an das, was hinter dem Freiheitskampf von 1809 stand.

 

Wir alle kennen die Geschichten von Andreas Hofer, wie er vom einfachen Händler und Sandwirt, zum Anführer der Tiroler Erhebung gegen Napoleon wurde und wie er den Preis dafür, mit seinem Leben bezahlen musste.

Doch wissen wir auch, was ihn und seine Männer dazu bewogen hat, Hab und Gut, ja letztlich sogar das eigene Leben auf's Spiel zu setzen?

 

Gewiss war es kein jugendlicher Übermut, keine Abenteuerlust und schon gar kein politischer Fanatismus.

Es war viel mehr die Erkenntnis, dass man eine Verantwortung hat. Eine Verantwortung für die eigene Zukunft, für die Zukunft des Landes, aber vor allem für die Zukunft der nächsten Generationen.

 

Andreas Hofer und seine Männer hätten sich auch ein feines Leben machen können. Sie hätten sich mit der politischen Situation einfach abfinden und eben das Beste daraus machen können. Sie hätten vielleicht auch mit den Besatzern verhandeln, oder sogar in deren Staatsdienst eine Karriere anstreben können.

 

Aber Andreas Hofer und seine Männer wussten, dass das alles kein Ersatz für Freiheit ist und sich die Zukunft eines Landes nur dann gesichert aufbauen lässt, wenn man selbst darüber bestimmen kann.

Sie ließen sich von der Politik nicht vorschreiben, was möglich, oder unmöglich ist, sondern sie nahmen ihr Schicksal selbst in die Hand.

 

Würden Andreas Hofer und seine Männer in der heutigen Zeit leben, so würden sie manche wohl als Zündler, Unruhestifter und als Querulanten abstempeln.

Aber genau das ist der Grund, warum wir auch nach über 200 Jahren noch hier stehen und in ganz Tirol an ihr Leben und Sterben gedenken.

Diejenigen, die nämlich schon damals keine Veränderung wollten, oder nicht daran glaubten, dass eine Veränderung möglich sei, sind längst in Vergessenheit geraten.

 

Der Wind der Geschichte ist über sie hinweg gefahren und von ihrer Existenz weiß man nichts mehr.

Denn Geschichte wird nicht von Menschen geschrieben, die im Stillstand verharren und sich nichts vorstellen können, sondern  Geschichte wird von Visionären geschrieben, die wissen, dass der Wunsch nach Freiheit letztlich immer stärker ist, als die größten und mächtigsten Armeen der Welt.

 

Es ist dies auch die Botschaft, gleichwohl das Vermächtnis, das vom Jahre 1809 bis in unsere Zeit reicht:

-Der Wunsch nach Freiheit-

 

 

Wenn wir heute hier stehen und an die Helden der Freiheit von 1809 erinnern, so müssen wir uns eben auch die Frage stellen, wie es um die Freiheit und die Zukunft unseres Landes heute bestellt ist?

 

Die Ereignisse rund um die 150-Jahrfeiern der Einheit Italiens haben uns doch wieder einmal eindrucksvoll vor Augen geführt, was für eine Zukunft uns bei Italien erwartet.

Solange Süd-Tirol sich anpasst, wird es mit Italien gut auskommen, aber wehe dem, man verweist auf die eigene Identität, dann ist Feuer am Dach.

 

Eine Welle der Empörung, begleitet mit Drohungen und wüsten Beschimpfungen ist in diesen Tagen durch ganz Italien gegangen, nur weil die Süd-Tiroler nicht die Einheit eines Staates feiern wollen, zu dem sie nicht gehören wollen und der genau genommen auch kein Anrecht auf unser Land hat.

 

Ist das Freiheit, wenn das Ergebnis von mehr als 60 Jahren Autonomie das ist, dass wir uns vom italienischen Staatspräsidenten unsere Tiroler Identität in Abrede stellen lassen müssen, indem dieser behauptet, dass wir Italiener seien und deswegen die Einheit Italiens zu feiern hätten?!

 

Den Süd-Tirolern ihre Identität in Abrede zu stellen und ihnen eine italienische Identität aufzuzwingen, ist Ausdruck von politischem Kulturimperialismus der übelsten Sorte.

Es ist dies eine Geisteshaltung, die wir Süd-Tiroler nur allzu gut kennen. Allerdings nicht von einem demokratischen Staat, sondern vom faschistischen Regime.

 

Herrn Napolitano und seinen römischen Konsorten sei daher von dieser Stelle ausgerichtet, dass wir uns mit Sicherheit nicht vorschreiben lassen, dass wir Italiener zu sein hätten.

 

Wir Tiroler waren 1809 schon keine Bayern und Franzosen, und genauso wenig sind wir heute Italiener.

 

 

Die Aussagen Napolitanos zeigen aber sehr deutlich, dass das offizielle Italien bis heute noch nicht einmal die sprachlich-kulturelle Eigenheit der Süd-Tiroler anerkennt und das Ziel der Italienisierung somit noch immer nicht aufgegeben hat.

Davon zeugt nicht zuletzt auch die Haltung Italiens zum Siegesdenkmal und zu den erfundenen italienischen Ortsnamen.

 

Vielleicht braucht es derartige Vorkommnisse aber auch ab und an, um manche Süd-Tiroler, die die Tiroler Identität des Landes nur allzu gerne gegen eine multi-ethnische Italianità tauschen würden, wieder auf den Boden der Realität zu holen.

 

Während in diesen Tagen nämlich in Österreich mehr als 20.000 Menschen mit ihrer Unterschrift für die doppelte Staatsbürgerschaft ein Bekenntnis der Solidarität für Süd-Tirol abgegeben haben, wie wir es von Italien noch nie erlebt haben, können wir zur selben Zeit in italienischen Zeitung regelrechte Hasstiraden lesen, in denen gefordert wird, dass wir Süd-Tiroler unsere Koffer packen und aus Italien verschwinden sollen, wenn wir keine Italiener sein wollen.

 

Soll das unsere Zukunft sein?

Wen wundert es da, dass immer mehr Menschen über eine Zukunft nachdenken, die über die Autonomie hinausreicht und die das einfordern, was im vereinten Europa eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein sollte:

Nämlich, dass die Völker selbst über ihre eigene Zukunft bestimmen können.

 

 

Wenn wir heute hier stehen und an die Helden von 1809 erinnern und dabei von der Verantwortung sprechen, die sie damals für ihr Land übernommen haben, so müssen wir auch von der Verantwortung sprechen, die wir heute unserem Land schuldig sind.

 

Wenn uns die bisherige Geschichte und die Ereignisse der letzten Tage nämlich etwas gelehrt haben, dann das, dass in Süd-Tirol erst dann Ruhe und Frieden einkehren wird, wenn die Süd-Tiroler entweder selbst bestimmt haben was sie wollen, oder aber, wenn sie endgültig italienisiert sind.

 

Die Frage der Selbstbestimmung ist daher nicht eine Frage der politischen Einstellung, sondern vielmehr eine Frage der Verantwortung für die Zukunft unseres Landes.

 

Wohl an keinem anderen Ort wäre diese Erkenntnis so passend, wie hier am Friedhof, neben dem Gefallenendenkmal.

Wir erinnern hier und heute nämlich an die, die uns vorausgegangen sind. An die vielen Opfer, die diese Menschen für unser Land gebracht haben.

Im Freiheitskampf 1809, im 1. Weltkrieg, in der Zeit des Faschismus, im Freiheitskampf der 50er und 60er Jahre, bis hinauf zum heutigen Tag.

Hinter jedem dieser Namen steht eine Geschichte.

Es wird der Tag kommen, an dem sich die nächsten Generationen an uns erinnern. Doch die Frage wird lauten, woran sie sich dann erinnern?

 

Werden wir die Generation sein, die Verantwortung übernommen hat, oder werden wir die Generation sein, die die Freiheit des Landes verspielt und somit den nächsten Generationen ihre Zukunft genommen hat?

 

Wenn ich heute in die Süd-Tiroler Gesellschaft blicke, dann bin ich zuversichtlich.

Es wächst eine neue Generation in diesem Land heran, für die Freiheit nicht nur ein Ausdruck persönlicher Einschätzung, sondern von selbstverständlichem Recht für unser Land ist.

 

Es sind dies Menschen wie die Schützen, die mutig und geradlinig diesen Weg gehen. Menschen, die wissen, dass die Zukunft unseres Landes davon abhängt, was wir selbst daraus machen.

 

Die Welt steht in diesen Tagen wieder einmal im Umbruch und es zeigt sich, dass alles möglich ist.

Die Menschen lassen sich nicht länger bevormunden, Regime fallen und man feiert die Freiheit.

 

Dieser Tag wird auch für uns eines Tages kommen.

 

Es lebe Tirol!