Dr. Anton von Gasteiger zu Rabenstein und Kobach | Villanders | Süd-Tirol CD Mut zur Treue kaufen
  • Schützenkompanie Villanders - Anton von Gasteiger | Süd-Tirol | Südtirol
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Die Villanderer Tracht

 

Die Frauentracht

 

Die Frauen tragen einen Leibkittel. Darüber werden der weiße Schalk mit Spitzen, der bis zum Ellbogen reicht, und ein schön ausgeführtes Mieder angezogen. Ein auffallendes Merkmal ist das Seidentuch mit Fransen, das im Rücken mit einer Nadel gehalten und über dem Mieder getragen wird.

Zu betonen sind auch noch die selbstgestrickten handschuhartigen schwarzen „Tatzln“, die im gesamten Eisacktal nur von den Villanderer Frauen getragen werden.

An der Unterlage des Leibchens wird ein schwerer Kittel in „enggestochenen“  Falten angesetzt, so dass er trotz seines schweren Falles in schöner Weite ausschwingt.

Die Festtagsschürze aus feinem Seidenstoff (in verschiedenen Farben, je nach Anlass) wird vor allem bei Prozessionen oder manchmal noch bei Hochzeiten getragen.

Unter dem schweren Kittel tragen die Frauen handgestrickte schwarze Kniestrümpfe, die ursprünglich mit Halbstiefeln getragen wurden.

Sehr schön ist die Haartracht der Frauen, welche in Zopfform oder bei den älteren Frauen als „Tschungl“ üblich ist.

 

Der Jahreskalender der Frauentracht

 

 

FESTTAG

TUCH

 

Ostern

Seidenes

Blau Roachseidenes

Tschoap

Pfingsten

Seidenes

Blau Roachseidenes

Tschoap, Schalk

Ums Gericht gehen

Seidenes (bunt)

Muslin weiß und blau

Schalk

Fronleichnam / Ondelsen

Seidenes

Blau Roachseidenes

Tschoap, Schalk

Herz Jesu

Mehrenes

Blau- braun Roachseidenes

Nattelseidenes

Tschoap, Schalk

Hoch und zu Frauentag

Mehrenes

Braun Roachseidenes

Nattelseidenes

Schalk

Rosari

Mehrenes

Braun Roachseidenes

Tschoap, Schalk

Allerheiligen

Schwarzes

Tschoap

Erntedank

Mehrenes

Braun Roachseidenes

Nattelseidenes

Tschoap, Schalk

Weihnachten

Samtenes

Wollenes

Tschoap

Primizeinzug

Tag vor Primiz

Muslin

Schalk

Primiz

Geladene: Seidenes

Andere: Blau Roachseidenes

Gleich

Begräbnis

Schwarz

Sommer Schalk

Winter Tschoap

Hochzeit

Eltern: Seidenes oder Mehrenes

Geladene: Mehrenes

Sommer Schalk

Winter Tschoap

Taufe, Erstkommunion und Firmung

Seidenes

Tschoap, Schalk

 

 

 

Die Männertracht

 

Die Männer tragen eine Joppe („Hèjmet“) aus braunem Loden. Die Vorderteile reichen jetzt mehr zueinander als früher, so dass die Joppe am Hals mit einem handgeschmiedeten Messinghaftel geschlossen werden kann. Die Weite im Rücken ist bedingt durch den geteilten Schnitt: an die zur Mitte leicht schräg ansteigende Teilungsnaht wird der untere Joppenteil in glockiger Weite angesetzt. Die Vorderbahnen und der schön am Hals anschließende Ausschnitt sind mit rotem Vorstoß umsäumt, der vorn nach innen als ein etwa 10 cm breiter Besatz weiterläuft. Als Halsbinde gehört ein farbiges (meist besonders rot-betontes) Seidentüchl. Die Ärmelstulpen sind am unteren Rand rot vorgestoßen.

Die Weste ist aus schwarzem Samt gearbeitet und mit grünen Hosenträgern über die Weste angezogen. Dazu wird eine schwarze Knielederhose getragen, an welche an den Knien die weißen gestrickten „Stutzn“ befestigt sind. Auffallendes Merkmal ist, dass die ganze Kompanie Stiefel trägt.

Weiters tragen die Männer einen federkielgestickten Gürtel, manchmal ist er auch ein Erbstück aus der alten Familientracht. Der Hut ist aus schwarzem Filz, die leicht aufgebogene Krempe ist mit schwarzem Samtband eingefasst. Den Hut schmücken schwarze Spielhahnfedern sowie seit 2009 zusätzlich weiße Federn, als Sinnbild für die Freiheit.

 

 

Die Entwicklung der Tracht

 

Die bunte Vielfalt der heutigen Tiroler Schützentrachten trügt. So waren die Männer von 1809, die gegen Napoleon auszogen, nicht gekleidet. Andreas Hofer selbst forderte seine Schützen auf, nicht in Festtagskleidung, sondern in braunen oder grauen Joppen zu kommen, damit sie im Gelände schwerer zu erkennen waren. Natürlich hätte es manchen gelockt, den farbenprächtigen uniformierten bayrischen und französischen Truppen in ähnlichem Imponierkleid entgegen zu treten, aber das wäre unzweckmäßig gewesen für eine sich verbergende, aus dem Hinterhalt überraschend angreifende Bauernarmee.

Die Tiroler Schützen traten zum Kampf in ihrer schlichten, zweckmäßigen Alltagskleidung an. Um aber als anerkannte Kämpfer und nicht als schießende Zivilisten zu gelten, legten sie Armbinden und Hutrosetten in den Schützenfarben an. Solche grün-weißen Rosetten tragen die Stubaier und die Eppaner Schützen noch heute auf ihren Hüten. Diese Kenntlichmachung der diversen Einheiten konnte am besten durch auffällige Gruppensignale erfolgen.

Im Grunde genommen liegt dieses gruppeninterne Streben nach gleicher Aufmachung aber bereits in der Volkstracht selbst. Talschaften oder überhaupt die Bewohner bestimmter Landstriche zeigten stets die Neigung, sich durch Kleidung von anderen Sozietäten abzuheben. Freilich ist Volkstracht, also das „allgemein Getragene“, abhängig von den jeweils ortsgebundenen Werkstoffen und den ökologisch bedingten Notwendigkeiten hinsichtlich Schnitt und Ausgestaltung.

Es lag in der Natur der Sache, dass die später aufkommenden Uniformen unmittelbar an das ortsübliche Gewand, also die Tracht anschlossen. Die früheste militärische Einheitskleidung hieß auch noch gar nicht Uniform, sondern „Lieferey“, weil die Tatsache der Lieferung seitens vorgesetzter Stellen das Wesentliche und Auffällige daran war. Das Wort „Lieferey“ wurde auch von den Franzosen übernommen und kehrte als „Livrée“ in die deutsche Sprache zurück. Ebenso gebräuchlich war das Wort „Montour“, das vom lateinischen „montare“ (einen Berg besteigen) stammt und im Sinne von „ausgerüstet werden“ damit zusammenhängt. Den heute gültigen Begriff „Uniform“ hat man erst im 18. Jahrhundert aus dem Französischen entlehnt, wo die bürgerliche Kleidung „tenue civile“ und die Militärkleidung „tenue uniforme“ hieß.

Aufgrund der immer größer und zahlreicher werdenden Truppenmitglieder musste die Zunftordnung der Kleidermacher überwunden werden. In deutschen Landen durfte noch bis in das beginnende 18. Jahrhundert kein Schneidermeister mehr als vier Gesellen beschäftigen. Außerdem musste er jedes Kleidungsstück dem Käufer direkt anmessen. Auf Lager zu arbeiten und Serienprodukte zu verkaufen war verboten. Also musste auch jeder Soldat seine Uniform im Schneiderladen nach Maß bestellen. Auf diese kostspielige und zeitraubende Weise konnte man kleine Truppen ausstatten, nicht aber nach Tausenden zählende Regimenter. So hob man letztendlich die alte Zunftordnung auf und ließ die in Betracht kommenden Meister ihre Werkstätten erweitern, wo sie nun mit beliebig vielen Gehilfen Kleider im Mengenzuschnitt nach vorgegebenen Einheitsgrößen produzierten.

Von dieser neuen „Mode“ wurde nicht nur die Stadt, sondern alsbald auch die bäuerliche Bevölkerung erfasst. Die alten, im Hausfleiß oder vom Schneider individuell gefertigten Trachten wurden schon vor der Jahrhundertwende mehr und mehr durch die städtische Konfektion verdrängt und kamen eigentlich erst wieder zur Geltung, als sich die Kleiderfabriken ihrer annahmen und sie billig in hoher Stückzahl auf den Markt brachten. Die nach Maß gearbeitete Tracht konnten sich nur wenige leisten. Gleichzeitig machte sich ein weiteres Phänomen bemerkbar, nämlich die Loslösung der Tracht vom Ursprungsgebiet.

Diese Situation hat selbstverständlich auch die Schützentracht beeinflusst. Auf alten Photographien sieht  man Kompanien nicht nur in Tiroler Tracht, sondern gelegentlich in dem auch bei uns weit verbreiteten Steirer- oder Salzkammergutgewand, das Kaiser Franz Josef zur Jagd getragen und dadurch überaus populär gemacht hat. Nur in entlegenen Tälern hielten sich alte Trachten für den Feiertagsgebrauch.

Als in Österreich die hechtgraue Militäruniform eingeführt wurde, passte sich diese mit Kniebundhose und Wadenstutzen dem bäuerlichen Trachtenschnitt an. Die Uniform hat also auch ihrerseits Elemente der Tracht übernommen. Dies allerdings nicht, um tirolerisch zu wirken, sondern aus rein funktioneller Zweckmäßigkeit. Gleichgültig, ob Bauer oder Soldat – im Gebirge ist jeder denselben Umweltbedingungen ausgesetzt. Solche Wechselwirkungen zwischen Tracht und Uniform gab es zu jeder Zeit in allen Gebieten, insbesondere auch bei lokalen Landwehrtruppen.

Der Versuch, die teils längst vergessenen Trachten neu zu beleben, ist eine Folge der verbesserten Lebenssituation. Man kann es sich wieder leisten, neben der Normalkleidung eine Tracht zu besitzen, die zu festlichen Anlässen angelegt wird. In sehr hohem Maß gilt dies für Schützenkompanien, deren Zahl ansteigt. Musikkapellen und Schützen sind heute die eigentlichen Bewahrer der Tracht, die nun allerdings den Charakter der Uniform bekommt, indem sie nicht mehr als persönliches Kleidungsstück angeschafft, sondern von der Kompanie zur Verfügung gestellt wird. Dies gilt vielfach sogar für die federkielgestickten Gürtel, sofern die Schützen nicht altererbte Familienstücke tragen oder sich besonders schöne Ranzengürtel neu anfertigen lassen.

Viele Schützenuniformen entsprechen alten Trachten, manche wurden für später aufgestellte Kompanien neu ausgedacht. Alte Bilder dienen als Anregung. Gewisse Uniformtypen zeigen daher wenig bäuerlichen Charakter und entsprechen eher alter städtischer Kleidung.

Für neue Schützentrachten werden als Vorbilder am liebsten Kleidertrachten aus der Zeit Andreas Hofers gewählt, weil er eben die zentrale Heldenfigur Tirols ist. Es besteht die starke Neigung, an jene harte Kampfzeit anzuschließen. Dies äußert sich oft nur in Kleinigkeiten der Montur, wie etwa im ungarischen Schnitt der Offiziersstiefel, der an die alte österreichische Armee und vor allem an die Mode des napoleonischen Heeres erinnert. Auch die Männerröcke haben in Fasson und Farbe viel aus jener Zeit übernommen.

Die oft auffallende Buntheit ist Ausdruck alter Tiroler Freiheit, denn für den freien Bauern gab es keinen Beschränkungen auf schlichte Töne wie in anderen Gebieten, wo eine jahrhundertlange Leibeigenschaft mit strengen Kleiderordnungen herrschte und Rot als Adelsfarbe galt. In Tirol gab es bereits Anfang des 17. Jahrhunderts für die verschiedenen Aufgebote rote Schützenröcke, deren Farbe in manchen  Festtagstrachten Nachahmung fand.

Die Schützen verblieben als „Landaufgebot“ in der Hauptsache beim eigenen bäuerlich-bürgerlichen Kleiderschnitt. Tracht und Uniform sind hier in vollkommener Überdeckung zur Einheit geworden, lediglich die Schützenschnüre und Chargenabzeichen setzen ein soldatisches Signal, und Federgestecke an den Hüten erinnern an die militärische Zweispitz-Tragweise zur napoleonischen Zeit.

 

Jede Tracht, jede Uniform ist ein Stück Geschichte. Das gilt in vollem Umfang auch für die zu Uniformen gewordenen alten Bauern- und Bürgertrachten der Tiroler Schützen, deren Erhaltung eine sehr hohe kulturhistorische Bedeutung zukommt.

 

Quelle: Die Geschichte der Schützen - Facharbeit der Oberschul-Abschlussprüfung von Brigitte Gantioler







Die blaue Schürze (auch Sie ist ein Teil unserer Identität und Erscheinungsbildes)


Die Südtiroler Schürze


Wenn Ihr die blaue Schürze seht,
ahnt Ihr sogleich, wer vor Euch steht:
ein Südtiroler! Jederzeit

trägt stolz er sie als Ehrenkleid.

Er trägt sie, wenn er wirkt und werkt,
wenn er sich zu Tische sitzt, sich stärkt.
Des Festtags um bei Arbeitsruh
zeigt er die Schürze immerzu.
Die blaue Schürze ihn umweht,
wenn er im Felde pflügt, eggt, säht.
Beim Heuen, bei des Kornes schnitt,
geht immer auch die Schürze mit.
Wenn er die Bäume fällt, zersägt,
sein Fuhrwerk durch den Wald bewegt,
zur Alm empor die Kühe treibt,
die Schürze nie zu Hause bleibt.
Wenn er im Schnee und Eis sich wagt,
Den Gamsbock sucht und Ihn erjagt.

Das Edelweiss am Felsgrat pflückt,
die blaue Schürze oft ihn Schmückt.
Die Schürze leuchtet froh, sie blinkt,

beim Obst- und Weinbau blau sie winkt.
In ihr kredenzt der Wirt den Wein,
schenkt rot, schenkt weiß den Gast ihn ein.
Ob Handwerker, ob Arbeitsmann,
er zieht die blaue Schürze an.
Mit ihr er sich zum Volk bekennt,
dass Südtirol sein eigen nennt.
Der Bub führt aus sie und der greis,

der um den Sinn der Schürze weiß.

Wer sie trägt, der hat nicht verloren,

die Freiheit die mit ihm geboren.

Die blaue Schürze heißet auch:
festhalten an den Väter Brauch.

Am Mutterlaut und Heimatland,

in die der Herrgott ihn gesandt.

Die Schürze bleibt ihm Wappenzier,

sein eigener Adel bürgt dafür.
Stolz zeigt er Sie, ob reich, ob arm,
für Südtirol in Freud und Barm.


(Autor unbekannt)